Ein Superheld ist im Alltag gelandet. Und mit zuviel Alkohol im Blut kann man im Landeanflug schon mal den Asphalt der Straße zerstören, ein paar Häuser schrammen oder bei der Verbrecherjagd nebenbei Millionenschäden verursachen. Übrigens eine Problematik, der bei anderen Superhelden definitiv zu wenig Beachtung geschenkt wird, wie dieses Zeitdokument beweist: Dark Knight deleted scene
Hancock (Will Smith) ist aber zudem auch noch faul, sarkastisch und ungewaschen: Eher ein menschliches Wrack als jemand der fliegen kann, unverwundbar ist und schier unbeschränkte Kraft besitzt. Ergo ist ihm die Bevölkerung, die er mit seinen Heldentaten beglückt, nicht sonderlich zugetan. Und so sehen wir dann doch wieder den Prototyp des einsamen, unverstandenen Helden. Der hier aber eine auf ihn zugeschnittene Image-Kampagne erhält: Inklusive hautengem Suit versteht sich.
Ich bin mit einer ganz bestimmten Erwartungshaltung in diesen Film gegangen. Denn die Vorschau versprach eine Komödie, die – wie sooft in Hollywood – schätzungsweise ab der Hälfte ins Rührselige abrutschen würde.
Nun, ich wurde „enttäuscht”: Erstens würde ich den Film nicht unbedingt als Komödie, als die er jedoch verkauft wird, einstufen. Bestimmt, der Film hat seine witzigen Momente, aber diese sind eigentlich nur dazu da (Mikunda schau owi) um die Spannung abzufeuern, die sich beim Publikum anstaut. Und mit einigen durchaus heftigen Thematiken wird der Film bereits weit vor der Hälfte ernst und zum Ende hin gar tragisch. Den wirklichen Tiefgang eines Dramas findet Hancock dann aber auch nicht.
Bleiben wir bei Action-Film und dafür bekommt Will Smith´s latest Adventure 3 wirklich gutgemeinte Sterne, denn einem der Hauptdefinitionen des Kinos kommt der Film perfekt nach: Er unterhält.
Also für Hancock habe ich gleich zwei Tipps für Euch:
- Setzt Euch im Kino nicht vor eine Reihe mit vier Kindern, die ständig gegen die Lehne treten
- Löst Euch von Euren Erwartungen
Wer sich mit Hancock eine locker-flockige, kindergerechte Will Smith-Komödie erwartet, den möchte ich hier eines Besseren belehren. Im Empire Magazine (Juli 2008) beschreibt Peter Berg in einem Interview die ursprüngliche Vorlage von Hancock als äußerst düster, böse und depressiv. Er habe versucht, die Geschichte in ein etwas helleres Licht zu rücken, was ihm durchaus gelungen ist, wenn ich auch den Eindruck hatte, dass ihm diese Gradwanderung nicht gerade leicht gefallen ist.
Auf der einen Seite besitzt der Film zu viele lustige Szenen um als ernstes Drama durchzugehen, andererseits ist er für eine Komödie streckenweise zu ernst und roh. Generell werden bei Hancock für meinen Geschmack zu viele interessante Handlungsstränge zu kurz angeschnitten.
Werden die CG-Effekte hauptsächlich als komödiantische Elemente eingesetzt, setzt Peter Berg durch extreme Nahaufnahmen der Gesichter der Protagonisten einen emotionalen Gegenpol, der in mir, eigentlich mehr ein Freund von Lustigem als von Ernstem, eigenartigerweise mehr Lust auf die dramatische Handlung als auf die Gags weckte.
Auf jeden Fall bietet Hancock einen Blickwinkel auf einen Superhelden, der durchaus originell und sehenswert ist. Dank ihrer Darsteller konnte mich die Geschichte ausreichend fesseln um die (zu) jungen und etwas unruhigen Nachbarn hinter mir ignorieren zu können.
Untermalt wird der Film übrigens von einem ziemlich netten Soundtrack aus der Feder von John Powel, bereits actionerprobt durch Filme wie zum Beispiel die Bourne-Trilogie oder „X-Men: The Last Stand”.
Und ich bilde mir fest ein, Peter Berg selbst für einen Bruchteil einer Sekunde in einem Arztkittel gesehen zu haben. Sehnt er sich nach den ruhigeren Tagen als TV-Seriendarsteller? Wenn man sich die Einspielergebnisse von Hancock so ansieht, wohl eher nicht…