Wenn jemand vorhatte seine Kinder in diesen Film mitzunehmen – vergesst es! Denn dieser Film ist roh und düster. Viel düsterer als all seine Anverwandten, die sich auch mit der Fledermaus beschäftigten. Und das tut dem Film gut, denn er ist bei weitem der Beste der Serie, auch wenn er sich kaum mit Tim Burtons Heransgehensweise vergleichen lässt. Die Missgeburten von Joel Schuhmacher klammere ich hier gedanklich sowieso aus. Wenn man den Film in die Superhelden-Kategorie stecken will, ist er bestimmt der Bedrückendste, denn keine einzige Figur bleibt verschont.
Ein wesentliches Merkmal an The Dark Knight ist seine Nähe zur Realität. Es sind keine megalomanischen Bauten mehr zu sehen, die Gotham City repräsentieren, sondern eine normale Großstadt. Die Figuren agieren nachvollziehbar und menschlich. Selbst der Joker ist einfach eine zerstörte Seele, dessen Moral völlig verdreht wurde.
Und Heath Ledgers Darstellung des Über-Bösewichts ist das dunkle Herz der Geschichte. Absolut verstörend, manisch, kaltblütig und furchterregend clever, fasziniert und brilliert er in sämtlichen Szenen. Selten ging ich wie hier gleichzeitig traurig und zufrieden aus dem Kino. Heath Ledgers Leistung verdient absolut jedes einzelne Lob, das hierfür ausgesprochen wurde.
Aber die gesamte Cast ist ausgezeichnet und bis in kleinste Rollen hervorragend besetzt. Allen voran Morgan Freeman (sehr schön sein kleiner Seitenhieb auf die heute so gängige Datensammelwut), Michael Cain und Aaron Eckhart.
Weil es immer heißt, es gäbe keine guten Fortsetzungen oder zweite Teile: Dies ist Das Imperium schlägt zurück der Batman-Reihe, Der Pate – Teil II der Comicverfilmungen.
Mir persönlich war Batman in den Comics selten düster genug, daher war ich von Tim Burtons filmischer Umsetzung vor mittlerweile fast 20 Jahren begeistert und ebenso entsetzt, was dann von Joel Schumacher daraus gemacht wurde. Batman Begins erzählte dann endlich die Geschichte meines Batmans und The Dark Knight führt sie perfekt fort.
Ich kann mir aber gut vorstellen, dass jemand mit einem anderen (oder keinem) Bezug zu dieser Comicfigur mit The Dark Knight so seine Probleme hat. Der Film ist lang, depressiv und erzählt viele einzelne Handlungsfäden, meine Erwartungen hat er jedenfalls alle übertroffen.
Heath Ledger ist als Joker in diesem Film tatsächlich eine Naturgewalt, er spielt nicht, sondern ist Mensch gewordenes Chaos. Mit diesem Film hat er sich selbst ein gewaltiges Denkmal für seine leider viel zu kurze Karriere gesetzt. Aber auch wenn der Joker heraussticht, so wird jeder einzelne Charakter mit einer faszinierenden Intensität gespielt, die ich in so einer geballten Ladung noch selten gesehen habe.
The Dark Knight ist beklemmend und dunkel, finsterer, als es sich Tim Burton wohl je erträumen hätte können. Es wird ab der ersten Minute sukzessiv Spannung aufgebaut, von der man sich auch in den spärlichen humorvolleren Szenen kaum erholt. Nach dem Kino war ich jedenfalls erschöpft, deprimiert und erfüllt zugleich. Brutalere Szenen wurden zwar mehr oder weniger geschickt geschnitten, aber Kinder bekommen von diesem Film trotzdem garantiert Albträume.
Auch die Filmmusik will ich nicht unterschlagen. In der erneuten Kollaboration von James Newton Howard und Hans Zimmer wurden die Themen aus Batman Begins übernommen, aber oft mit finsteren Akkorden oder fiesen Industrial-Sounds unterlegt, was unmittelbar zur Stimmung des Films beiträgt.
Ich hoffe und freue mich also auf ein weiteres Wiedersehen mit Batman, das hoffentlich schon sehr bald realisiert wird.