Californication (Season 1)
Der Titel Californication ist ein Portmanteau, also ein Wort, das die Aussprache und die Bedeutung zweier anderer Wörter kombiniert, in diesem Fall den US-Bundesstaats California und das englische Wort für Unzucht: Fornication.
Und hallo, Unzucht wird in dieser TV-Serie betrieben: Herr Duchovny würde seine – meiner Meinung nach – bisher beste Arbeit seinen eigenen Sprösslingen wohl erst in einigen Jahren präsentieren. Aber diese Unanständigkeiten sind verpackt mit soviel intelligentem Humor, Zynismus und Einfallsreichtum, dass es eine wahre Freude ist. Überhaupt ist die Mischung zwischen Bösartigkeit, tiefer Menschlichkeit und selbstverständlicher Herzlichkeit so wunderbar und fein abgestimmt, wie aus dem Lehrbuch des Bocuse der Fernsehunterhaltung.
Californication schafft es zudem eine exzellente Riege an Darstellern und Darstellerinnen zu vereinen, der es auch nicht an der Lust zu spielen mangelt. Allen voran David Duchovny, der sich vom glatten Fox Mulder endgültig verabschiedet und das sarkastische Herz der Serie bildet in Form von Hank Moody: Einstmals vielgefeierter Autor, nun seiner großen Liebe nachtrauernder, saufender Vater einer reinkarnierten Emily the Strange, der in fast jeder Folge eine andere Dame beglücken darf. Die Auszeichnung mit dem Golden Globe für seine hier dargebotene Leistung ist mehr als verdient. Ach ja – ich habe ja damals zu Akte X-Zeiten nie verstanden, warum ihn manche Leute attraktiv fanden. Ich kann das jetzt überaus gut nachvollziehen!
Bei der Cast irritierend ist vielleicht auf den ersten Blick ein Wiedersehen mit Madeline Zima, der jüngsten Serientochter aus der Nanny, die nun durchaus – sagen wir mal – erwachsen geworden ist.
Abschließend kann ich nur sagen, ein Glück, dass Californication bereits als DVD erhältlich ist, denn ich möchte nicht wissen, was die Synchronisation diesem Wunderwerk an Wortwitz antut!
Hank Moody, ein Mann der alles hatte und irgendwo, irgendwann wieder verlor. Und an allem ist angeblich die Stadt der Engel schuld, in New York war jedenfalls noch alles besser. Statt im Erfolg wird jetzt „in a sea of pointless pussy” gebadet, gemixt mit der einen oder anderen Droge. Dabei ist er ein aufrichtig liebender und fürsorglicher Vater, der – wie von meiner werten Co-Autorin bereits erwähnt – in der getrennt lebenden Mutter (Natascha McElhone) seiner Tocher nach wie vor die Liebe seines Lebens sieht. Hank Moody versucht, die Scherben seines Lebens wieder aufzuklauben und wir dürfen ihm dabei zusehen.
David Duchovny hat offenbar endlich die Rolle gefunden, die ihm auf den Leib geschrieben wurde. Das dürfte der Gute auch sehr früh erkannt haben, immerhin ist er ebenfalls Produzent der Serie. Und schon die allererste Szene gibt bereits den scharfen Ton für die gesamte Staffel vor. Stichwort Kirche, Nonne und ein gewisses Jobangebot (siehe Trailer).
Es ist sehr erfrischend, wieder einmal eine Serie zu sehen, die nicht für Kinder zurechtgeschnitten wird sondern roh und unverblümt das Leben widerspiegelt. Gut, zumindest Hank Moodys Leben. Und es ist wirklich eine wahre Freude, dieses Leben beobachten zu können. Nur allzu prüde darf man dafür nicht sein.
Hoffentlich machen es die Schreiberlinge dieser wunderbaren Serie Hank Moody nicht nach und verlieren nicht ihren Drive in der zweiten Staffel, die diesen Herbst ins U.S.-Fernsehen kommt.
In Österreich kann man Californication ab 5. September 2008 im ORF genießen, in Deutschland ab „Herbst 2008” auf RTL2 und in der Schweiz läuft die Serie bereits seit 10. Juli 2008 auf SF zwei. Hoffentlich jeweils im Zweikanalton!





7 Kommentare
1
habt ihr beiden schön geschrieben: ich stimme euch zu, ist eine freude, hernn duchovny hier zuzuschauen. tolle serie!
2
Mittlerweile gibt es offenbar einen Konsens darüber, dass derzeit US-Fernsehserien anspruchsvoller, komplexer, besser sind als Hollywood-Mainstream-Movies; und auch wenn ich viele dieser Serien nur vom Hörensagen kenne, scheint mir da was dran zu sein.
Insofern warte ich auch auf CALIFORNICATION! Das schöne Feuilleton-Blog „Der Umblätterer“ hat zur Überbrückung der sommerlichen Sauregurkenzeit gerade eine Artikelreihe über die besten US-Serien der abgelaufenen Saison gebracht (siehe: http://www.umblaetterer.de/best-of-us-serien-2007-2008/), wo Mr. Duchovny auf Rang 5 platziert ist – noch vor dem überall hochgelobten DEXTER…
3
was für eine wunderbare quelle für unsere sucht!! merci!
4
You’re welcome! Ob der fabulösen Sarah Silverman wohl auch bei uns irgendwann der Durchbruch gelingt? Und als Fan von Sheila McCarthy hoffe ich natürlich, dass es LITTLE MOSQUE ON THE PRAIRIE einmal ins deutschsprachige Fernsehen schafft; der Beginn der ersten Episode: http://www.youtube.com/watch?v=_I4YrgGHCXE – Also keine „Pilot-Projekte“ mit Moslems, bitte!
5
herrlich – schön, dass dieses thema endlich jemand satirisch aufgreift! hat ja förmlich danach geschrien!
6
Ich liebe Californication und freue mich schon auf die zweite Staffel.
Was mir am besten gefällt: Ich kann mir endlich wieder mal eine Serie mit meiner Freundin ansehen, ohne das es einen von uns Beiden langweilig wird mit der Zeit
7
Geniale Serie; kurzweilig, locker, auf den Punkt gebracht.
Fraglich ist nur, ob das Konzept genug Stoff für mehr als drei bis vier Staffeln hergibt, ohne sich zu wiederholen bzw. totzulaufen? Hoffentlich
Am 28.09. geht’s mit der zweiten Staffel weiter.