Paris (2008)
Eine Hommage an Paris, ein Episodenfilm, eine talentierte Schauspielriege (darunter Juliette Binoche) – da sollte doch in Cédric Klapischs Film Paris (deutscher Titel: So ist Paris) nichts mehr schief gehen können. Aber es ist einem egal, dass ein Kind geboren wird, eine Frau stirbt und sogar, dass die Hauptrolle (Romain Duris) einem ungewissen Ende entgegen fährt, lässt einen seltsam kalt. Und das ist wohl das Schlimmste, was einem Film, der uns die Menschen und Schicksale einer Stadt näherbringen will, passieren kann.
Manchmal fühlt man sich eher peinlich berührt, wenn eine geplante Liebesnacht ohne Gefühle Protagonist und Protagonistin unangenehm ist oder wenn sich ein alter Universitätsprofessor im Liebestaumel für seine jugendliche Studentin lächerlich macht, windet man sich sogar im Kinosessel.
Vielleicht sind die Episoden doch zu streiflichtartig und können den Figuren so nicht genug Tiefe verleihen. Vielleicht wollte der Regisseur auch zuviel in einen Film verpacken. Aber Klapisch gelang dies zuvor schon so wunderbar und entzückend mit seinem Spielfilmdebüt Chacun cherche son chat (Und jeder sucht sein Kätzchen). Möge er wieder zu seiner alten Form zurückfinden, damit die Liebe, die er in all seinen Facetten beschreiben will, auch auf das Publikum überspringt.
Pierre darf dank eines akuten Herzleidens nicht mehr tanzen und verbringt die Wartezeit auf die Transplantation damit, andere Menschen vom Fenster oder Balkon aus zu beobachten. Und schon begleiten wir diese Menschen ebenfalls auf ihren Wegen durch den Wirrwarr aus Leben, Liebe und Tod.
Manche Charaktere sind einem näher als andere, manche Episoden sind interessanter als andere. Herausragend sind sie aber alle nicht und werden teilweise nur von der schauspielerischen Leistung der Protagonisten durchgetragen.
Ich wünschte, ich könnte hier eine Bewertung zwischen „Naja“ und „Gut” angeben, denn diese wäre hier meiner Meinung nach angebracht. Ich werde aber in diesem Fall im Zweifel für den Angeklagten walten und ein „Gut” geben, da ich nach dem Kinobesuch nicht das Gefühl hatte gelangweilt worden zu sein geschweige denn mein Geld verschwendet zu haben.





3 Kommentare
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Nun, MICH haben die Figuren keineswegs kalt gelassen! Gerade diejenige des verliebten Profs fand ich in ihrer Exzentrizität sehr sympathisch (Fabrice Luchini hat ähnliche Charaktere allerdings schon allzu häufig gespielt): dieses Aufbegehren zum einen gegen die professionelle Muffigkeit (wie sie ja ein Kollege in einer Szene sehr schön darstellt), trotz Ressentiments gegen die Fernsehunterhaltung; zum anderen gegen die „Unmöglichkeit“ einer Beziehung zu seiner Studentin… als er sich da zum Dodel machte, habe ich vielmehr mit ihm sympathisiert, als dass ich wie du „peinlich berührt“ gewesen wäre.
Zugegeben, uns eine schöne Frau wie Juliette Binoche als Mauerblümchen verkaufen zu wollen, das ist natürlich albern, und die sonst oft wunderbare Karin Viard wird als rassistische Bäckersfrau auf ein ödes Klischee reduziert; auch die Episode mit dem afrikanischen Immigranten verbindet sich nicht wirklich mit dem Rest des Films (was SO wohl nicht geplant war). Aber alles in allem fand ich das „Unrunde“, Grobe, Sprunghafte, Beiläufige dieses Films gerade sympathisch (verglichen mit dem ähnlich strukturierten Episodenfilm LOVE… ACTUALLY – dort wäre z.B. das Unfallopfer sicher die Organspenderin des Todkranken geworden).
Und eine schönere Szene als Juliette Binoches Striptease habe ich zuletzt nicht gesehen!!!
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zum glück sind ja kinoerlebnisse rein subjektive empfindungen. es kann sein, dass, wenn ich den film in ein paar jahren sehe, ich ebenso begeistert bin. zum beispiel “frankie und johnny” habe ich drei mal gesehen und jedesmal habe ich ihn völlig unterschiedlich wahrgenommen.
und danke für deine andere sicht des filmes – denn genau dafür ist dieses blog ja auch da: für verschiedene meinungen und um diesen ein forum zu bieten! eben auch in den kommentaren!
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mir gefiel dieser Film mit seinen Episodenverflechtungen außerordentlich gut, ich fand ihn zutiefst menschlich und die Figuren darin bzw. die Szenen ließen mich alles andere als kalt. Sehr gut gespielt, besonders hervorzuheben (wie bereits in einem anderen Kommentar) die Rolle des alternden Professors. Den fand ich in seinem “Verliebter Teenager”-Gehabe sehr symphatisch und hey, wer von uns hat sich nicht schon als verliebter Erwachsener in Situationen begeben, die ihm im Nachhinein total absurd und “kindisch” erschienen? Bei der Binoche finde ich halt für mich wieder bestätigt, dass sie zwar eine gute Schauspielerin ist, aber leider seit ihren früheren Film(erfolg)en enorm an Ausstrahlung verloren hat. Sie wirkt irgendwie farblos … Den Eindruck hatte ich auch schon in dem Haneke-Film (caché).