Man kennt Mike Leigh, neben Ken Loach, als wohl bekanntesten Vertreter eines sozial engagierten sowie kritischen, britischen Kinos. Und so war ich doch einigermaßen erstaunt, als ich zum ersten Mal von seinem letzten Projekt (Regie und Drehbuch) las. Denn Happy-Go-Lucky ist ein absolutes Bekenntnis zu manchmal gar schamlosen Optimismus.
Der Film rankt in einer eher losen narrativen Struktur um die Erlebnisse des Energiebündels Poppy (Sally Hawkins), die mit kindlichem Enthusiasmus und unzerstörbarer guter Laune durch ihr buntes Leben tanzt.
Zuweilen löst jene unbeschwerte Art in ihrer Umwelt allerdings auch Befremden und Erstaunen aus. So wird ihr Verhalten mal als naiv oder gar als völlig verrückt abgestempelt. Und man ertappt sich dabei, ganz kurz genau so zu denken. Dabei verschließt sie sich keineswegs vor Problemen. Jedoch löst sie diese eben auf ganz eigene Art.
In unserer heutigen Welt sollte man diesen Film wohl am besten auf Rezept gegen Depressionen verschreiben. Und sich Poppy als Vorbild nehmen und mal zwischendurch etwas Ärgerliches einfach weglachen. Passend dazu:





2 Kommentare
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Ein großer kleiner Film! Als Mike Leigh-Fan gab ich diesem Film ohnehin einen Vertrauens-Vorschuss, obwohl mich die ersten (Festival-)Berichte über HAPPY-GO-LUCKY etwas skeptisch gemacht haben (penetrant gutgelaunten Leuten trete ich nämlich eher mit einem gewissen Misstrauen gegenüber). Wie sich herausstellte, ist Poppys positive, optimistische Lebenseinstellung jedoch keineswegs etwas Aufgesetztes, und schon gar nicht mit einer zuckrigen “Lächle-und-die-Welt-wird-Zurücklächeln”-Botschaft verbunden: immer wieder zeigt Leigh ja, wie Poppys Umwelt (inklusive ihrer eigenen “bourgeoisen” Schwester) voller Unverständnis auf sie reagiert, und eine nächtliche Begegnung mit einem alten Obdachlosen ist richtig gruselig. Poppy passt so wie dieser Film in keine Schublade, sie provoziert die Menschen aus ihrer Mieselsüchtigkeit heraus, und damit ist Leigh manchen Arbeiten des von dir erwähnten Ken Loach womöglich näher als seinem eigenen, von manchen als misanthropisch beschriebenen Werk (siehe z.B. “Naked”).
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Die größte Stärke dieses Films liegt wohl in der Arbeitsweise Leighs begründet, den Schauspielern kein Drehbuch zum Auswendiglernen vorzusetzen, sondern mit ihnen gemeinsam über Monate hinweg haarklein ihre Figuren und damit auch die Szenen und Dialoge zu entwickeln (paradoxerweise wurde Leigh dennoch mehrfach für den Drehbuch-Oscar nominiert). Und da passt dann auch (in der englischen Originalfassung, versteht sich) jeder Satz, jede Nuance, und der Übergang von komischen zu todernsten Szenen gelingt mühelos.
In (schon wieder) einem Kinojahr voller effekthascherischer Hollywood-Blockbuster und effekthascherischer Parodien auf effekthascherische Hollywood-Blockbuster ist HAPPY-GO-LUCKY eine Wohltat: ein (freundlicher) Film über richtige Menschen! Bitte also auf “OmU” öfter mal was anderes als immer bloß amerikanische Filme und Serien vorstellen!
(Gilt natürlich nicht für den großartigen WALL-E…
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Vielen Dank für diesen überaus informativen und umfangreichen Kommentar! Da sollten wir Dich doch glatt einmal als Gastautor aufnehmen!
Und keine Sorge, natürlich wird es auf OmU immer wieder “kleine” Filme geben, die nicht die Mega-PR-Industrie hinter sich haben oder nur aus Special Effects bestehen. Aber die Mischung macht es halt auch auf diesen Blog aus und ich gebe gerne und offen zu, dass ich mich ebenso gerne von Blockbustern unterhalten lasse. Man muss ja auch bei diesen nicht das Hirn an der Garderobe ablegen!