Alle Beiträge zu „Musik”

17.11.08

Mamma Mia!

Sie sagt: Gut

Mamma Mia!Es war ein Fehler. Es war ein Fehler, Mamma Mia! nicht gleich zum Filmstart zu sehen, gemeinsam mit Abba-Freaks, die in Kostümen auftauchen, bei jedem Lied mitgrölen und den Kinosaal in 70er Feeling und Partystimmung versetzen. Dann hätte dieser Film wohl gänzlich anders gewirkt.

Und es war ein Fehler der Regisseurin Phyllida Lloyd, das Bühnenstück einfach abzufilmen ohne auf das Medium Film Rücksicht zu nehmen. Ich habe das Musical noch nie gesehen, aber die Kulissen, die Einstellungen, die überdramatischen Gestiken der Darsteller und Darstellerinnen schreien einem regelrecht Bühne ins Gesicht.

Tja, die Geschichte selbst gibt ja nicht sonderlich viel her, die Arrangements der Lieder sind zum Teil grausam und Pierce Brosnan sollte man einfach nicht schreien (er nennt es „singen”) lassen. Aber dann ist da Meryl Streep und OMG, was kann diese Frau nicht? Sie spielt ihre Kollegen und Kolleginnen nicht nur an die Wand (vor allem wieder Pierce, es tut mir leid, er wäre ja ein sympathischer Junge), nein, sie donnert sie regelrecht an die nächste Ziegelmauer der entzückenden, griechischen Kulisse. Sie ist definitiv der Grund für den zweiten Stern. Und den Dritten verdiente der Abspann! Mamma Mia! :-)

Er sagt: Naja

Tja, was soll ich sagen? Wenn man kein Abba-Fan ist, bleibt bei diesem Film nicht viel übrig. Außer vielleicht eine (wie immer) wirklich sehenswerte Meryl Streep, die vor Energie nur so strotzt. Das war’s dann aber auch schon.

Und erklärt mir mal bitte, warum man drei zwar grundsympathische, aber gesanglich ziemlich unterentwickelte Schauspieler für die männlichen Hauptrollen eines musischen Films castet? Es mangelt ja wirklich nicht an ebenso sympathischen Akteuren, die obendrein auch noch singen können! Die werten Herren hatten zwar sicher alle ihren Spaß dabei, meinen beleidigten Ohren ist das aber ziemlich egal.

Ich frage mich nur, wie lange es dauert, bis wir Boney Ms Daddy Cool als Fortsetzung präsentiert bekommen…

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25.07.08

Once (2006)

Sie sagt: Sehr gut

Once (2006)Über ein Jahr nach seiner Premiere ist der 2006 gedrehte irische Film Once seit 25.4.2008 endlich auch in österreichischen Kinos. Mit Preisen überhäuft, erfuhr er auch mit dem Oscar für das beste Lied „Falling Slowly”, Ehrung durch das kommerzielle Kino.

Vorweg eine Warnung: Man verliebt sich unweigerlich in alle Figuren dieses Films von Regisseur John Carney, sogar in einen kleinen, erbärmlichen und betrunkenen Gelegenheitsdieb. Ganz nebenbei schafft es Once mehrmals, dem Publikum ein Lächeln zu entlocken: Beispielsweise wenn die Hauptdarstellerin ihren Staubsauger in der Fußgängerzone hinter sich herzieht, wie einen kleinen Hund. Oder wenn sich eine gesamte Band in ein Auto zwängt, um die gerade aufgenommene Musik dem ultimativen Test zu unterziehen: Sie auf schlechten Lautsprechern zu hören.

Auf den Straßen Dublins treffen sich ein Junge und ein Mädchen – klassisches boy meets girl – daher werden auch keine Namen gebraucht. Ebensowenig wie professionelle SchauspielerInnen, sondern wirkliche MusikerInnen und vor allem echte Menschen. Sie (Markéta Irglová), eine tschechische Pianistin und Gelegenheitsarbeiterin stolpert in das Leben eines Straßenmusikers und Mechanikers für Staubsaugerreparaturen (Glen Hansard – Sänger der Band The Frames) und die gemeinsame Leidenschaft für Musik verbindet sie auf der Stelle. Aber die Vergangenheit, in Liedern verarbeitet, ist auf beiden Seiten noch viel zu präsent.

Sollte es nicht Eure Art von Musik sein, dann wird es nicht Eure Art von Film werden, denn alles ist von Musik durchdrungen, Musik ist alles, Musik ist Gefühl und Gefühle sind Musik. In klassischen Musicals hat ein Lied nur eine verstärkende Funktion, die Aussage liegt im Dialog, in Once hingegen wird nur die Musik genutzt, um dem Zuschauer zu vermitteln, was die Charaktere bewegt.

Irglová und Hansard zeichnen im Film als auch im realen Leben verantwortlich für den gefühlvollen Soundtrack und so scheinen die Grenzen zur Realität durchwegs verschwommen. Schön sichtbar wird dies an der alten, zerbrochenen Gitarre, die auch Ihren Einsatz bei der Oscarverleihung fand, wo die Beiden, die nach den Dreharbeiten im realen Leben ein Paar geworden sind, selbst ihr Lied präsentierten.

Und noch ein Tipp! Lernt tschechisch: Sonst entgeht Euch die vielleicht berührendste Szene des Films!

Er sagt: Sehr gut

Zugegeben, Musikfilme haben mich noch nie sonderlich interessiert. Aber dieser hier ist tatsächlich die schillernde Ausnahme. Die feine, fast schon zerbrechliche Zeichnung der Charaktere in Verbindung mit ihrer irgendwie ehrlichen Musik (das Album gibt’s hier), hat auch mich in ihren Bann gezogen.

Die beiden dürften aber nicht nur mich, sondern auch einen meiner persönlichen Helden, Jon Stewart, überzeugt haben, der als diesjähriger Präsentator der Oscars Markéta Irglová extra wieder auf die Bühne geholt hat, um ihre zuvor brutal abgeschnittene Dankesrede vollenden zu können.

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