Ich habe die Serie geliebt. Zwar nicht mehr die späteren Staffeln, als es dann nur mehr um Verschwörung ging, aber die X-Akten waren ein Fixpunkt jede Woche, den man gemeinsam zelebriert hat.
Und nun ist der zweite Film in die Kinos gekommen und ich bin mir nicht ganz sicher, was ich da eben gesehen habe. Verschwörungtheorien fehlen zum ersten völlig – meiner Meinung nach nicht das Schlechteste. Aber auch Mystery ist nicht wirklich ein Thema. Was hat eine „normale” Geschichte in einem X-Akten-Ordner zu suchen? Natürlich gibt es da einen zwielichtigen Mann mit obskuren Visionen (Billy Connolly, langelockt wie eh und je und viel zu sympathisch für den Charakter) und die Grundgeschichte ist etwas obskur – aber in unserer kranken Welt dennoch nichts Außergewöhnliches geschweige denn Außerirdisches.
Jedoch das größte Manko des Films stellt mit Sicherheit das Drehbuch dar: Chris Carter (ebenso Regie) und Frank Spotnitz hätten bei ihren Leisten bleiben sollen, denn für eine Serienfolge hätte die Storyline wohl ausgereicht, aber in die Spielfilmlänge gezogen, wird die an sich schon dünne Geschichte immer löchriger und fragwürdiger. Logikfehler, viel zu simple Lösungswege und vor allem völlig überflüssige Dialoge sind die Folge. Am meisten schmerzen die Unterhaltungen zwischen Mulder und Scully, denn sie wollen vielsagend und bedeutungsschwanger sein, sind aber nur leere Worthülsen, die bald langweilig werden.
Ganz knapp schrammt dieses Ouvre an der schlechtesten Bewertung vorbei, aber nur da Film Nummer 1 eben noch schlimmer war und diese Punktezahl eher verdient hat. Und weil ihnen doch eine wirklich gute Überraschung gelungen ist.
Ich muss gestehen, ich habe die Serie damals nicht bis zum bitteren Ende begleitet, sondern bin kurz nach David Duchovnys Ausscheiden ebenfalls vom Zug gesprungen, auch wenn Robert Patrick als Mulders Nachfolger Agent Doggett wirklich gute Arbeit abgeliefert hatte. Davor war ich allerdings lange Zeit begeisterter Hobby-Agent. Die X-Files standen für Mysterien, Mythen und Geheimniskrämerei und während man sich in der Serie noch mit Übersinnlichem beschäftige, so driftet dieser Film leider eher ins Unsinnige ab. Das einzige mysteriöse und unerklärbare an diesem Film ist, wie er jemals in dieser Form zustande kommen konnte.
„I Want to Believe” ist das Motto des mittlerweile zweiten Leinwand-Abenteuers von Mulder und Scully und der Glaube spielt hier wirklich eine große, wenn nicht sogar eine übertriebene Rolle. Ich möchte auch glauben. Ich möchte glauben, dass Menschen, die jahrelang gute Geschichten erzählen konnten, Besseres auf die Leinwand zaubern hätten können, als dieses Ergebnis. Der Weg, den Chris Carter eingeschlagen hatte, wäre ja nicht der schlechteste gewesen: Eine etwas bodenständigere Geschichte als zuvor, tiefere Einblicke in die Psyche der Hauptcharaktere und ein stärkerer Fokus auf die Beziehung zwischen ihnen.
Seine Mischung wirkt allerdings unausgegoren, oberflächlich und schlichtweg gewöhnlich – in meinen Augen nicht mal eines TV-Specials würdig. Ein wirklich seltsamer Abspann trägt zusätzlich zu diesem Eindruck bei. Diese Akte kann getrost geschlossen und weggesperrt werden.