Scheinbar habe ich nicht viel Glück bei Sneak Previews. Oder diejenigen, die mich zur Sneak mitnehmen, haben nicht viel Glück mit mir, aber das wollen wir nun nicht vertiefen, sonst geht niemand mehr mit mir ins Kino!
Diesmal gab man also Fireflies in the Garden (deutscher Titel: Zurück im Sommer), der sich an einem düsteren Familiendrama versucht. Aber leider seine durchwegs positiv auffallende Cast mit schalem Nachgeschmack und purer Langweile hinterlässt.
Gegeben wird die Lebens- und Leidensgeschichte von Michael Waechtler (Ryan Reynolds): Als erfolgreicher Autor kehrt er nach langer Zeit in seine Heimatstadt zurück. Doch genau in diesem Moment kommt seine Mutter Lisa (Julia Roberts) bei einem Autounfall ums Leben und alte Konflikte mit seinem despotischen Vater Charles (Willem Dafoe) brechen erneut auf.
Viel zu viel jedoch wird hier nicht ausgesprochen – nicht innerhalb der Familie und auch nicht laut Drehbuch. Oder war da etwa eigentlich mehr im Script, womit irgendein Testpublikum nicht fertig wurde und schwupps wurde ein Pseudo-Happy-End drangeschummelt? Die Version, welche während der Berlinale präsentiert wurde, zählte noch 120 Minuten im Gegensatz zu der 99-minütigen Kino-Fassung. Schade, denn wenn man sich schon durch die noch vorhandenen Minuten durchgequält hat, würde man doch gerne zu einigen Andeutungen die Aufklärung bekommen. Zudem ist die plötzliche Wandlung mancher Figuren so unerklärlich und aus der Luft gegriffen, dass dies eher auf Produzentenhand und nicht Autorenhirn schließen lässt.
Die Frage ist jedoch, wäre es die andere Fassung wert gewesen, hätte sie dem Film gutgetan oder hätte es das Leiden der KinobesucherInnen nur unnötig verlängert?
Wer sich prinzipiell für ähnliche Thematiken interessiert, dem sei Thomas Vinterbergs Das Fest ans Herz gelegt. Man wünscht sich nur einen Hauch der Bissigkeit und Präzision des dänischen Dogma-Meisterwerks auch in Fireflies in the Garden entdeckt zu haben. Vergeblich.
99 Minuten einer Familie zuzusehen, die es nicht und nicht schafft, ihre wirklich zahlreichen Probleme direkt anzusprechen, sondern immer nur um den heißen Brei herumredet, ist wahrlich eine Qual. Schön ist aber, dass all diese Differenzen wie von Geisterhand in jeweils fünf Minuten aufgelöst werden. Insofern wäre Fireflies in the Garden wohl eher in das Fantasy-Genre einzustufen.
Bei diesem Film müssen wirklich essenzielle Handlungsstränge dem Schnitt zum Opfer gefallen sein, denn so erscheinen einige Szenen, Charakterwandlungen und vor allem das Ende ziemlich aus der Luft gegriffen. Ich bin immer ein Freund von Filmen, die nicht alles für die dümmsten aller Zuschauer bis ins Detail erklären, aber wenn ausschließlich halbe Informationen geliefert werden, so dass man sich eigentlich kein Bild von der tatsächlichen Situation machen kann, wird das recht schnell ziemlich fad. Oder bin gar ich der dümmste aller Zuschauer? Zumindest einer der gelangweiltesten.
Der Film wird abwechselnd in zwei verschiedenen Zeitabschnitten erzählt, einmal zeigt er Michael als Kind und dann als Erwachsener, also müssen hier fast 20 Jahre dazwischen liegen. Sehr merkwürdig fand ich jedoch, dass in dieser Zeit der Charakter von Hayden Panettiere zu einer Emily Watson altert, während die Zeit an Julia Roberts und Willem Dafoe nahezu spurlos vorübergegangen ist.
Aus meiner Sicht war dieser Film eindeutig ein „Würg!”-Kandidat und wurde vor dieser Wertung einzig und allein von dem mir sehr sympathischen Ryan Reynolds gerettet.