Sie sagt: Sehr gut

Once (2006)Über ein Jahr nach seiner Premiere ist der 2006 gedrehte irische Film Once seit 25.4.2008 endlich auch in österreichischen Kinos. Mit Preisen überhäuft, erfuhr er auch mit dem Oscar für das beste Lied „Falling Slowly”, Ehrung durch das kommerzielle Kino.

Vorweg eine Warnung: Man verliebt sich unweigerlich in alle Figuren dieses Films von Regisseur John Carney, sogar in einen kleinen, erbärmlichen und betrunkenen Gelegenheitsdieb. Ganz nebenbei schafft es Once mehrmals, dem Publikum ein Lächeln zu entlocken: Beispielsweise wenn die Hauptdarstellerin ihren Staubsauger in der Fußgängerzone hinter sich herzieht, wie einen kleinen Hund. Oder wenn sich eine gesamte Band in ein Auto zwängt, um die gerade aufgenommene Musik dem ultimativen Test zu unterziehen: Sie auf schlechten Lautsprechern zu hören.

Auf den Straßen Dublins treffen sich ein Junge und ein Mädchen – klassisches boy meets girl – daher werden auch keine Namen gebraucht. Ebensowenig wie professionelle SchauspielerInnen, sondern wirkliche MusikerInnen und vor allem echte Menschen. Sie (Markéta Irglová), eine tschechische Pianistin und Gelegenheitsarbeiterin stolpert in das Leben eines Straßenmusikers und Mechanikers für Staubsaugerreparaturen (Glen Hansard – Sänger der Band The Frames) und die gemeinsame Leidenschaft für Musik verbindet sie auf der Stelle. Aber die Vergangenheit, in Liedern verarbeitet, ist auf beiden Seiten noch viel zu präsent.

Sollte es nicht Eure Art von Musik sein, dann wird es nicht Eure Art von Film werden, denn alles ist von Musik durchdrungen, Musik ist alles, Musik ist Gefühl und Gefühle sind Musik. In klassischen Musicals hat ein Lied nur eine verstärkende Funktion, die Aussage liegt im Dialog, in Once hingegen wird nur die Musik genutzt, um dem Zuschauer zu vermitteln, was die Charaktere bewegt.

Irglová und Hansard zeichnen im Film als auch im realen Leben verantwortlich für den gefühlvollen Soundtrack und so scheinen die Grenzen zur Realität durchwegs verschwommen. Schön sichtbar wird dies an der alten, zerbrochenen Gitarre, die auch Ihren Einsatz bei der Oscarverleihung fand, wo die Beiden, die nach den Dreharbeiten im realen Leben ein Paar geworden sind, selbst ihr Lied präsentierten.

Und noch ein Tipp! Lernt tschechisch: Sonst entgeht Euch die vielleicht berührendste Szene des Films!

Er sagt: Sehr gut

Zugegeben, Musikfilme haben mich noch nie sonderlich interessiert. Aber dieser hier ist tatsächlich die schillernde Ausnahme. Die feine, fast schon zerbrechliche Zeichnung der Charaktere in Verbindung mit ihrer irgendwie ehrlichen Musik (das Album gibt’s hier), hat auch mich in ihren Bann gezogen.

Die beiden dürften aber nicht nur mich, sondern auch einen meiner persönlichen Helden, Jon Stewart, überzeugt haben, der als diesjähriger Präsentator der Oscars Markéta Irglová extra wieder auf die Bühne geholt hat, um ihre zuvor brutal abgeschnittene Dankesrede vollenden zu können.